Ich bin wieder zurückgekehrt an meinen heimischen Laptop. Ganz traditionell und gemütlich habe ich Weihnachten bei meinen Großeltern gefeiert, auch die sind technisch gesehen auf der Höhe (zumindest halbwegs) und besitzen einen alten Windows 98 PC. Weihnachten ist ja bekanntlich auch die Zeit der Besinnung und der Ruhe und genau dieses Motto scheint diese schon fast antike Computer verinnerlicht zu haben: Mit Vorliebe stürzte er immer in der Mitte der bereits geschrieben E-Mail ab, um mich daran zu erinnern, dass Geduld in diesen Zeiten eine seltene Charaktereigenschaft geworden ist. Wegen meiner Erkältung durch die ich mich halb im Delirium befand, d.h. um mich herum war mir sowieso alles egal, habe ich keinen Nervenzusammenbruch bekommen.
Aber auch mein Laptop hat Konkurrenz bekommen: Ich habe jede Menge toller Bücher bekommen zu Weihnachten. Da wäre zum ersten „Das verlorene Symbol“ von Dan Brown.

Das Buch bietet, wie erwartet, viel Altbewährtes: der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion, eine Schnitzeljagd durch eine geschichtsträchtige Stadt und eine schöne Moral am Ende des Buches. Doch gerade bei dieser Moral trägt Brown diesmal etwas seeeehr dick auf finde ich, man hat fast das Gefühl er schafft sich so langsam selbst seine eigene Religion/Philosophie, unter seinen Millionen Leser finden sich bestimmt ein paar Anhänger. Trotzdem finde ich das Buch ziemlich spannend, mensch muss jedoch aufpassen nicht alles für bare Münze zu nehmen, was Brown schreibt.

Ebenfalls schon durchgelesen habe ich „Früher gab es noch mehr Lametta“, eine Sammlung von Weihnachtsgeschichten geschrieben von Loriot, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, usw. Viele lustige und ironische Geschichten darin, aber auch ernste und nachdenkliche, das Weihnachtsfest wird aus vielen verschieden (historischen) Perspektiven betrachtet.
Demnächst werde ich dann endlich ein Standardwerk der femministischen Literatur lesen: „Das andere Geschlecht“ von Simone der Beauvoir. Und schlußendlich ein dickes, großes Buch – ebenfalls ein Standardwerk – : „Anarchie“ von Horst Stowasser.

27. Dezember 2009
Bücher, Bücher, Bücher!
22. Dezember 2009
Christmas Vacation
So, ab morgen bin ich dann erstmal für ein paar Tage weg, Weihnachten feiern mit der lieben Verwandschaft. Ein schönes Weihnachtsfest zeigt uns Extra 3:
Und hier das Intro von meinem Lieblingsweihnachtsfilm „Christmas Vacation“ … Weihnachtsferien habe ich jetzt nämlich auch ![]()
Frohes Fest!
19. Dezember 2009
Die ewige Parallelgesellschaft
In letzter Zeit wurde viel geschrieben, diskutiert und gestritten über das Minarett Verbot in der Schweiz. Viele die für das Verbot gestimmt haben, begründeten ihre Entscheidung mit der „Unterdrückung der Frau“ im Islam, doch nicht alle davon sind Feministen. Sehr gute, differenzierte und ausgewogene Diskussionen bzw. Artikel gab es über dieses Thema schon bei der Mädchenmannschaft und in der Sueddeutschen. Ich finde den Kommentar von Hilal Sezgin sehr gut, dass der Islam als Inbegriff für Frauenfeindlichkeit gilt ist nicht das einzige Ressiment gegen diese Religion. Es gibt sehr viele Vorurteile und Übereinanderreden, die öffentliche Debatte wird dabei bestimmt von christlichen Europäern (auch wenn diese ihre Religion vllt. nicht umbedingt ernst nehmen). Ich habe letztens mit jemand gesprochen, der selbst Muslim ist, er ist vor etwa 2 Jahren aus der Türkei hierhergekommen und mit einer Deutschen verheiratet, eine gelungene Integrationsgeschichte würde man wohl sagen. Selbst wenn er kein strenger Muslim ist, hat er nicht viel Verständnis für das Minarett-Verbot, er versteht nicht, warum ein Minarett mehr stören soll, als ein Kirchturm. Genauso wie dieser zu der Kirche gehört, gehört das Minarett zur Moschee. Aber bei diesem Volksentscheid in der Schweiz ging es um mehr als Bauvorschriften, ich denke, es ging viel eher um die Akzeptanz des Islams. Ich befürchte fast, wenn es um die Frage gegangen wäre „Dürfen Moscheen überhaupt gebaut werden?“, hätten viele mit „Nein“ geantwortet. Diese Frage ist aber in dieser Form wegen der Religionsfreiheit, die ein Grundrecht ist und über das deswegen nicht abgestimmt werden darf, nicht zulässig. Die „Minarett-Frage“ erscheint mir dabei eine abgespeckte Form dieser Frage zu sein, im Grunde geht es um das Gleiche: Da man die Religionsfreiheit einhalten muss, sollen die Menschen zumindest nicht von den Minaretten belästigt werden, so dass sie vergessen können, dass es Muslime in ihren Land gibt.
Mir wurde ein Link für einen sehr guten Artikel über dieses Thema geschickt (Danke D.!), den ich euch gerne ans Herz legen würde, er ist lang, aber es lohnt sich wirklich ihn zu lesen.
Machen wir uns nichts vor: Muslime, die zugewandert sind, Migrationshintergrund haben oder konvertiert sind, werden in den meisten europäischen Ländern eher diskriminiert als toleriert.[...]Die multikulturelle Einwanderungsgesellschaft kann leicht als Projektionsfläche für reale Sorgen und Ängste eines Großteils der Bevölkerung im Hinblick auf ihre soziale Lage, Ausgrenzungs- und Fremdheitserfahrungen, kulturell-religiöse „Überfremdungstendenzen“ oder den Einflussverlust des Christentums benutzt und (partei)politisch entsprechend instrumentalisiert werden.[...] Direkte Demokratie bedeutet nicht, dass Referenden über alle möglichen politischen Streitpunkte stattfinden dürfen:Hätte man den Bau von Synagogen in Deutschland einem Mehrheitsentscheid unterworfen, wäre nie ein jüdisches Gotteshaus errichtet worden. Grundrechte von Minderheiten stehen auch für Abstimmungsmehrheiten in einer Demokratie nie zur Disposition.
14. Dezember 2009
American Virgin
Nach dem Testostoron Märchen in Deutschland der Garaus gemacht wurde, wie ich im vorgen Blogeintrag berichtet habe, konnte ein weitereres Vorurteil ins Reich der Mythen verbannt werden: Junge Menschen sind nicht psychisch total abgefuckt, wenn sie unverbindlichen Sex haben. Auf diese Studie machte die Mädchenmannschaft aufmerksam und auch, wenn Helga ganz richtig sagt, dass diese Studie eigentlich total unnötig ist, bereitet mir das Ergebnis doch schon eine gewisse Genugtuung. Ich habe mir dann gleich mal den amerikanischen Artikel über die Studie durchgelesen.
A surprising study by University of Minnesota researchers has found no higher level of psychological distress among young men and women who engage in casual sexual relationships. The study was launched largely with the expectation that casual sex would be associated with more depression and suicidal thoughts, said Marla Eisenberg, the lead researcher and an assistant professor of pediatrics. But after comparing the responses of 1,311 young Minnesotans in numerous ways, there was no difference.
WTF?! „depression“ und „suicidal thoughts“ nur weil man unverbindlichen Sex hat? Ich muss sagen, dass ich das wriklich wahnsinnig beleidigend finde. Das einige Menschen über One-Night-Stands die Nase rümpfen, war mir klar, aber dass solche Vorstellungen herrschen, war mir nicht bewusst. Ich denke aber, in den USA mit seiner starken Kein-Sex-vor-der-Ehe Bewegung ist dieser Gedanke noch viel mehr verbreitet als hierzulande – das ist wirklich gruselig! Aber da mit diesem schlimmen Vorurteil jetzt auch Schluss ist, dürfte die Abstinenz Programme jetzt einen weiteren Teil ihrer Glaubwürdigkeit verloren haben.
Aus diesem Anlass möchte ich einen Blog vorstellen, der sich mit diesem Thema bzw. genauer gesagt mit dem (Amerikanischen) Jungfrauen Kult beschäftigt, es nennt sich The American Virgin und ist wirklich sehr interessant und lesenswert.
10. Dezember 2009
Das Testosteron Märchen
Testosteron – das männliche Hormon überhaupt, umso mehr, umso aggressiver, männlicher, härter … hat man mal an einer Studie mit Tieren herausgefunden und da Biologie ja immer eine ganz wunderbare Grundlage für Geschlechterklischees ist, wurde diese „Tatsache“ auch fleißig von der Gesellschaft verbreitet.
Nur schade, dass sich von Tieren – auch wenn sie gewisse genetische Ähnlichkeiten mit uns haben – nicht immer 100% auf Menschen schließen lässt. Eine Studie, die in der Sueddeutschen vorgestellt wurde, hat jetzt das Geschlechterklischee vom harten, rücksichtslosen Mann auf den Kopf gestellt:
Wirtschaftsforscher der Universitäten Zürich und London beschreiben im Fachblatt Nature (online) die guten Seiten des Testosterons. Demnach kann das Sexualhormon mit dem schlechten Ruf faires Verhalten fördern – wenn es dazu dient, den eigenen Status zu sichern.
Man verabreichte dazu einer Gruppe Menschen Testostoron – der einen Hälfte davon jedoch nur Placebos. Die, mit dem richtigen Testostoron benahmen sich fair und sozial, die anderen jedoch aggressiv und egoistisch. Ein schöner Beweis dafür, was für eine Kraft Klischees haben – schade nur, wenn man sich dabei auf falsch verstandene bzw. falsch interpretierte Resultate aus den Naturwissenschaften verlässt. Wobei diese neue biologische Studie bestimmt auch wunderbar Stoff für neue Klischees bietet …
Aber der Mensch im Allgemeinen ist eben doch ein bisschen anders als die Maus und jeder Mensch ansich ist sowieso einzigartig.
7. Dezember 2009
Sex, Klima & Demokratie
Von den drei Sachen gibt es ja momentan reichlich in Kopenhagen. Obwohl – bei der Demokratie hapert es noch etwas: mit dem sogenannte „Lümmelpacket“ hat die dänische Regierung ein Sicherheitspaket geschaffen, was genauso gut aus einer Diktatur stammen könnte:
[...]Recht auf „vorbeugende administrative Festnahmen“ für zwölf statt bisher sechs Stunden bei bloßem Verdacht auf geplante ungesetzliche Aktivitäten.[...] Die Strafen für begangene Gesetzesbrüche wie „Behinderung der polizeilichen Arbeit“ etwa durch Sitzblockaden sind drastisch heraufgesetzt: Statt eines Bußgeldes wie bisher drohen im Dezember 40 Tage Haft auch schon für Ersttäter.
40 Tage? Für eine Sitzblockade? Der Gipfel selbst dauert doch nur bis zum 14. Dezember. Dem entgeisterten Leser stellt sich dann sogleich die Frage: Und wohin mit den ganzen (präventiv) festgenommen Demonstranten_Innen? Da hat sich die dänische Regierung was aus Guantanamo abgeschaut: Drahtkäfige, nur mit einer Bank drinne. Bis zu zehn Personen sollen in einem Käfig eingesperrt werden, also 1,1 Quadratmeter für den Einzelnen. Wobei ich seeehr skeptisch bin, ob unsere dänischen „Freunde und Helfer“ diese Obergrenze auch einhalten werden, bei Massenfestnahmen müssen die doofen „Chaoten“ in den Käfigen mal eben etwas zusammenrücken.
Da ist das bürgerliche Herz und Gewissen beruhigt, dass unsere Demokratie so wunderbar geschützt wird – oder will hier noch jemand Kritik äußern?
Kritisch über diese betonte harte Linie äußern sich nicht nur betroffene Umwelt- und Klimagruppen, die ihre friedlichen Absichten herausstellen. Die konservative Wochenzeitung „Weekendavisen“ meint: „Wenn der Justizminister so deutlich seine Erwartung von Konfrontation zum Ausdruck bringt, erhöht sich damit auch das Risiko von Gewalt von vornherein erheblich.“ Genauso bedenklich sei, dass die Polizei ja ihre wegen des Klimagipfels beschlossenen neuen Befugnisse auch danach behalten soll.
Protestieren tun momentan auch die Prostituierten in Kopenhagen, allerdings aus ganz anderen Beweggründen als der normale „Krawall-Tourist“: Die Kopenhagener Regierung hat nämlich Postkarten an Hotels verschickt, die Gipfelgäste beherbergen, dass sie doch bitte keinen Kontakt zwischen Gästen und Prostituierte herstellen sollen. Die Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard begründet dies damit, dass sie eine eine Verpflichtung für eine „saubere Stadt“ habe und sei aus ethischen Gründen grundsätzlich dagegen, Frauen für Sex kaufen zu können. Gewerkschaft der Sexarbeiter „Sexarbejdernes Interesseorganisation“ (SIO) ist deswegen aus verständlichen Gründen ziemlich sauer und hat eine Postkartenaktion gestartet, mit denen für gratis Sex geworben wird – gesetz dem Fall man(n) hat einen Delegiertenausweis des Klimagipfels und die genannte Postkarte. Mit Umsatzeinbußen müssen die Sexarbeiterinnen deswegen kaum rechnen, es ist eher zu erwartet, dass dieser kleine Skandal am Rande des Klimagipfels eher kostenlose Reklame für die Sexarbeiterinnen darstellt.
„Ritt Bjerregaard missbraucht ihr Amt, wenn sie ihre Stellung dazu benutzt, um andere daran zu hindern, ihrer legalen Beschäftigung nachzugehen. Ich verstehe nicht, wie so etwas zulässig sein kann.“ [...]Susanne Møller und ihre SIO halten es dagegen für „verwerflich und unsachlich, dass die Kopenhagener Politiker den Klimagipfel als Plattform für ihre Hetze gegen Sexarbeiter ausnutzen“.
Na, hoffen wir, dass Sexarbeiterinnen demnächst nicht auch noch in Drahtkäfige gesteckt werden …
1. Dezember 2009
Flachzangen auf dem Flachen Land
Eine kleine Revolution gab es in dieser Woche auf dem flachen Land: Das erste Mal seit Jahrhunderten ist eine Frau als Deichgeschworene in den Deichverband gewählt worden, wie heute das Buxtehuder Tageblatt berichtete.
Es war für die Herrenrunde ein Überraschungscoup – bei der Abstimmung in der Deichrichterschaft III (Steinkirchen/Grünendeich) im „Windmüller“ tauchte die engagierte Grünendeicherin mit mehreren Grundstückseigentümern und Vollmachten auf. Bislang waren die Posten – von den 19 Deichgeschworenen bis zu den neun Deichrichtern – praktisch Erbhöfe. Das Stimmrecht bemisst sich nach der Höhe des Beitrages.
Frau Massow ist Sprecherin des Regionalen Bündnisses gegen Elbvertiefung, weswegen ich ihre Wahl sehr begrüße. Das Bündnis hat eine sehr schöne Internetseite, wo mensch sich ausführlich über die Unsinnigkeit der Elbvertiefung informieren kann.
Neben ihren Engagement gegen die Elbvertiefung lag aber Frau Massow noch ein anderes Anliegen am Herzen:
„Hinzu kommt, dass ich als Beitragszahler erst zum Schluss offiziell erfahren habe, was Deichverband, Land und Bund in den Verträgen über die Übernahme der Unterhaltung des Deichvorlandes ausgehandelt hatten“, kritisiert Inge Massow-Oltermann. Diese Informationspolitik passe einfach nicht mehr in einen modernen Staat, eher ins 19. Jahrhundert.
Ins 19. Jahrhundert gehört definitiv auch der Kommentar von Oberdeichrichter Arend Fischer zur ersten Deichgeschworenen, ich musste den Satz wirklich zweimal lesen:
„Viel mehr Frauen kann der Deichverband aber nicht gebrauchen. Diese müssen nämlich auch schwere Sandsäcke schleppen, wenn es mal ernst wird – und Hochwasser ist.“
Ja, natürlich Herr Fischer bei der letzten Jahrhundertflut waren es ganz bestimmt nur die Männer, die versucht haben die Deiche zu sichern, während die Frauen alle zuhause das Essen warmgehalten haben … Da scheint wohl jemand noch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommen zu sein, wenn der Herr Fischer in allem so furchtbar altmodisch ist, frage ich mich wirklich, wie da eine moderne Führung des Deichverbandes zustande kommen soll.
Ich könnte mich tatsächlich noch stundenlang über dieses sexistische Kommentar aufregen, aber ich lasse mal lieber die gute alte Simone de Beauvoir sprechen: Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.
Herr Fischer ist für mich deswegen die Flachzange des Tages, aber auch der Kreistag des Landkreises Stade hat sich um diesen Titel bemüht gemacht:
Stinksauer ist der Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Egon Ohlrogge, auf Landrat Michael Roesberg und die Mehrheit des nicht-öffentlich tagenden Kreisausschusses: Das Gremium hat am Montag einen Beschluss des Kreis-Jugendhilfeausschusses gekippt, den Gemeinden für die Einrichtung eines Krippenplatzes 13 000 Euro zu zahlen – wie es die SPD fordert. Stattdessen wird es maximal 7000 Euro geben.
Der Landkreis hat mal wieder zu wenige Geld, um Krippenplätze zu fördern, der Deichrichter hat zu wenig Verstand und ich habe zu wenig Geduld, um sowas ertragen zu können.
29. November 2009
Wenn Nein wirklich Nein bedeutet
Erst letztens habe ich einen interessanten Artikel auf Les petits Plaisirs gelesen, über die Verwirrung wenn Frauen „Nein“ sagen aber doch „Ja“ meinen, als kleines Spielchen sozusagen, um den Mann zu zeigen, dass frau ja nicht so leicht zu haben. Zu welchen Verwirrungen und z.T. schwerwiegenden Missverständnissen dies führen kann, hat Madmoiselle Nocturne sehr schön beschrieben. Denn wann soll der Mann erkennen, wann mit „Nein“ wirklich mal „Nein“ gemeint ist und nicht „Ja“?
Man soll sich trauen „Nein“ zu sagen, aber dann sollte man es auch wirklich so meinen. Gestern abend hatte ich eine Situation in der Disko, wo eine Freundin dieses „Nein“ auch wirklich so gemeint, als ein Bekannter von ihr sie zum engen Tanz auffordern wollte, bzw. er hat sie einfach auf die Tanzfläche geschoben. Sie hat sich dann zwar „befreit“, aber später kam der selbe Mensch noch einmal an. Zusammen haben wir (3 Frauen) dann versucht den Menschen klar zu machen, dass sie wirklich nicht will und das er das doch bitte akzeptieren soll. Irgendwann ist er dann abgezogen.
Ich fand dieses Verhalten ziemlich respektlos, dass obwohl sie ihm deutlich kommuniziert hat, dass sie diese Nähe nicht möchte, er doch sehr hartnäckig war und erst nach mehrmaliger Aufforderung verschwand. Ich will ihm nicht unterstellen, ein Vergewaltuger zu sein, aber ich frage mich schon, ob er das mit dem „Nein“ immer so wenig ernstnimmt. Dass das „Nein“ von ihr nicht Teil eines neckischen Verführungsspielchen war, hätte ihm spätestens nach dem zweiten Mal klar sein müssen.
Aber was als Taktik an diesem Abend eigentlich ganz gut geklappt hat, war dass meine Freundinnen und ich versucht haben uns zu unterstützen, indem wir in unsere Mitte genommen haben und denn Typen dann zusammen abgewehrt haben.
Ich denke, dass ist wirklich das Wichtigste das man versucht, zusammenzuhalten und den Typen ganz deutlich klar macht, dass er nicht allein auf der Welt ist und tun und lassen kann was er will.
Abgesehen davon war es aber alles in allem ein netter Abend.
Schönen 1. Advent wünsche ich!
24. November 2009
Von wegen „Die süßen Kleinen“…
Kleine Geschichte aus meinem Leben:
Mein Cousin hat doch tatsächlich verweigert einen alten Drachen von mir als Geschenk anzunehmen, weil der rosa sei und deswegen zu mädchenhaft.
Ich habe auch mit Rennautos gespielt und mir ist trotzdem kein Penis gewachsen.
Manchmal verzweifle ich an dieser Welt.
21. November 2009
Nackte Tatsachen – ein feministisches Dilemma
Ich bin gerade hin- und hergerissen … zwischen meinem feministischen Anspruch und meiner Abscheu gegenüber der Prüderie meiner Mitbürger_Innen. Aber ich erzähle die ganze Geschichte von Anfang an:
Der ganze Stolz meines Heimatstädchens ist der neugestaltete Busbahnhof. Endlich schön sauber und ordentlich erstrahlt er in neuem Glanz! Doch die Idylle ist bedroht und zwar von diesen schmuddeligen Bildern:

© www.tageblatt.de
Das ist die Fassade des örtlichen Nagel- und Piercingstudios, die übrigens auch schon seit Jahren so besteht. Doch da ja jetzt endlich mal ein bißchen Publikumsverkehr auf dem Busbahnhof ist, haben diese Fotos jetzt Buxtehudes Sittenwächter auf den Plan gerufen, wie das Tageblatt berichtet:
Vier nackte Frauen mit Piercings sorgen für Streit. Haus & Grund-Vorsitzender Heinz-Henning Jürges findet die Werbeplakate eines Nagel- und Piercingstudios empörend: „Das erinnert an Schmuddelecken auf der Reeperbahn, das muss weg.“
Lieber Herr Jürgens, waren sie schonmal auf der Reeperbahn? Wenn ja, dann haben sie sicherlich bemerkt, dass dort Bilder gezeigt werden, die um einiges geschmackloser sind, als diese hier. Ich persönlich tue mich schwer, diese Bilder als so wahnsinnig anstößig zu empfinden, ich finde sie sogar, ehrlich gesagt, ziemlich ästhetisch.
„Hinter diesen Bildern wird ein Sex-Shop oder -kino vermutet, nicht ein Nagelstudio“, sagt Jürges. Viele Gäste seien von dem ersten Anblick entsetzt, „wir müssen auch an die Kinder denken“.
Ja natürlich, Kinder haben auch noch nie in ihrem ganzen Leben eine weiblich Brust gesehen! Und Kinder haben ja auch generell eine genauso verkrampftes Verhältnis zu nackten Körperlichkeiten wie Erwachsene (erinnere mich da nur an kleine Kiddies, die gerne auch mal nackt rumlaufen und ganz unverblümt alles fragen, was ihnen in den Sinn kommt.) Auch wenn im Artikel Herr Jürgens betont, man sei „nicht prüde“, fällt es mir doch sher schwer dies zu glauben. Buxtehude hat das Image als saubere „Märchenstadt“, da passen die Nackten vom ZOB nicht hin. Das hinter diese Fassade auch nicht alles so sauber ist, wie der Kleinbürger das gerne hätte (Stichwort „Prostitution“), wird dabei ausgeklammert.
Neben diesen Ärger über die Prüderie, halten die Bilder auch jede Menge feministischen Sprengstoff bereit:
Daraufhin habe Gleichstellungsbeauftragte Uschi Reinke den Deutschen Werberat mit Sitz in Berlin eingeschaltet. „Für mich ist diese Werbung eindeutig sexistisch, die Würde der Frau wird herabgesetzt“, sagt Reinke. Weibliche Nacktheit werde wieder einmal als Blickfang missbraucht.
Der Werberat teilt die Kritik der Gleichstellungsbeauftragten. „Wir sehen die Darstellung ebenfalls sehr kritisch“, sagt Sprecher Volker Nickel, in Personalunion Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft.
Die Gleichstellungsbeauftragte hat Recht, es ist natürlich wieder typisch eine nackte Frau als Blickfang zu nutzen. Problematisch ist auch, dass – wie so oft – der Kopf von der Frau abgeschnitten wurde, das heißt sie wird quasi entpersonalisiert, was den Eindruck verstärkt, dass die Frau nur als Objekt genutzt wird. Jedoch finde ich, muss man auch daran denken, dass das umworbene Produkt in einem direkten Zusammenhang mit der Frau steht (die Brustwarzenpiercings) und, wie schon oben gesagt, ich die Bilder eigentlich auch nicht unästehtisch finde.
Außerdem wird bei dem ganzen Wirbel eins vergessen: Auf den Bildern ist auch ein entblößter Männeroberkörper zu sehen (ebenfalls mit Brustwarzenpiercings), wird die Würde des Mannes dabei nicht auch verletzt? Warum ist hier nur der Oberkörper der Frau Stein des Anstoßes? Was wäre wenn man stattdessen nur nackte Männeroberkörper gezeigt hätte, hätte sich dann irgendjemand aufgeregt? Wohl eher nicht, die weibliche Brust scheint vielmehr eine Bedrohung des öffentlichen Friedens zu sein, ich finde es eigentlich ziemlich ärgerlich, dass es beim Männern als ganz normal gilt, wenn sie mit nackten Oberkörper rumrennen, aber die Frau muss sich in dieser Hinsicht immer schamhaft bedecken.
Deswegen hinterlässt diese ganze Debatte, um die nackten Frauen am ZOB – trotz berechtigten feministischen Anspruchs – einen fahlen Nachgeschmack bei mir.
Und was sagt eigentlich die Besitzerin zu dem Ganzen?
Niemand habe sich in den letzten Jahren bei ihr beschwert oder ihr Geschäft mit einem Erotikshop verwechselt. Touristen aus China fotografierten sich sogar vor dem Studio. „Fotos wie diese gibt es heute in jeder Zeitschrift, sogar in der Bravo“, sagt Popiolek. Sie seien ästhetisch. Dennoch werde sie diese aus Kostengründen erst im Mai (für Reinke ist das Okay) entfernen können und durch kleinere ersetzen. Kosten: 2800 Euro. Popiolek: „Alles aus Goodwill, ich will keinen Ärger haben.“
Na dann, ist wohl die öffentliche Moral in Buxtehude wiederhergestellt.